Der Tag der Abreise ist endlich gekommen. Überspringen wir die Beschreibung der Reise zum Bahnhof oder Flughafen, die je nach Stadt und Zugänglichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel eine eigene Saga sein kann. Behalten wir das für ein anderes Mal auf.
Geduld, die Mutter aller Tugenden?
Alles in allem ist das Schlüsselwort, ob am Bahnhof oder am Flughafen, Geduld, Geduld und noch mehr Geduld. Denn wenn man im Rollstuhl reist, muss man öfters auf jemanden warten, der einen von einem Ort zum anderen bringt, vor allem, wenn man mit dem Flugzeug reist. Reisen gehört zu den Momenten, in denen ich mich am abhängigsten fühle, einfach weil ich bestimmte Etappen nicht allein bewältigen kann oder darf. Das bedeutet nicht, dass ich nicht alleine reisen kann, im Gegensatz zu dem, was viele Leute glauben, es bedeutet nur, dass ich nicht ohne Rollstuhlservice reisen kann.
Bei einer Flugreise ist das noch deutlicher: Zunächst muss man seinen Rollstuhl einchecken, den man bis zum Boarding-Gate behaltet, der dann aber im Frachtraum mitfährt. Dann geht man zum Rollstuhlserviceschalter, da der Rollstuhlservice einem hilft, durch die Sicherheitskontrolle zu kommen, oft in einer speziellen Warteschlange. Allerdings ist es nicht so toll, mit einem Rollstuhl durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Ich würde es nicht empfehlen. Denn wie zu erwarten, piept die Maschine, wenn man mit dem Rollstuhl durch die Sicherheitsschleuse geht, und man hat das Recht auf eine Ganzkörperkontrolle… Danach kommt man in den Boardingbereich und wartet, bevor man das Flugzeug besteigen kann, obwohl man normalerweise zuerst an der Reihe ist. Das Einsteigen in der Mitte der anderen Passagiere oder als Letzter verlangsamt immer den Prozess und ist für alle unangenehm, vor allem, wenn man ganz hinten im Flugzeug sitzt. Ja, einige Fluggesellschaften weisen ihren Passagieren mit eingeschränkter Mobilität auf unverständliche Weise automatisch Plätze in Reihe 27 oder 29 zu. Es ist wahr, dass es viel weniger Spaß machen würde, wenn man in Reihe 6 sitzen würde…
Im Zug ist das Ganze einfacher, denn man muss den Rollstuhl nicht einchecken und durch die Sicherheitskontrolle gehen: Man geht direkt zum Rollstuhlservice und dann zum Zug. In Frankreich funktioniert das nur, wenn man mindestens 30 Minuten vor der Abfahrt des Zuges ankommt, sonst gibt es keine Hilfe… In der Schweiz oder in Österreich, wo ich öfters gereist bin, ist es entspannter: Man trifft der Rollstuhlservice 15-20 Minuten vor der Abfahrt am Bahnsteig, da die Bahnsteige im Voraus auf den Fahrkarten angegeben sind. Dort bringt Dich der Assistenzdienst in den Zug mit einem angepassten Hebelift oder einfach einer Rampe, je nachdem, wie groß der Abstand zwischen Bahnsteig und Zug ist. In Frankreich sind die Rampen elektrisch und manchmal ist die Batterie leer, so dass der Rollstuhlservice eine neue Batterie für die Maschine suchen muss. Trotz alledem kommt man in der Regel immer im Zug an.
Reisen und es genießen?
Im Großen und Ganzen ist es in Ordnung, wenn man im Flugzeug oder im Zug sitzt. Es sei denn, man will auf die Toilette gehen. Dann wird es knifflig. Ich gebe zu, dass ich im Flugzeug, da es stabiler ist (solange es keine Turbulenzen gibt), in der Regel zu Fuß dorthin komme, auch wenn es eine Weile dauert. Im Zug, sei es in der Schweiz, in Österreich oder im Vereinigten Königreich, ist das kein Problem, die Toiletten sind groß genug, dass man mit dem Rollstuhl eine volle Drehung machen kann. In Frankreich hängt es vom jeweiligen Zug ab. Die Behindertentoiletten in einigen TGV-Zügen sind ein absoluter Scherz. Die Unterbringung eines Rollstuhls hatte dort offensichtlich keine Priorität…
Eine weitere Besonderheit älterer TGVs ist, dass einer der beiden Rollstuhlplätze üblicherweise von den anderen Fahrgästen als Gepäckraum genutzt wird. Erstens, weil er direkt neben dem Gepäckraum liegt und zweitens, weil er mehr oder weniger im Weg ist. Es ist ein bisschen so, als würde man in der Ecke festsitzen, aber in der ersten Klasse zum Preis der zweiten Klasse, worüber kann man sich also beschweren? Eigentlich haben wir Glück, dass die SNCF sich dazu herabgelassen hat, zwei Rollstuhlplätze im ganzen Zug zur Verfügung zu stellen…
Endlich angekommen?
Ich muss zugeben, dass die Anreise mit dem Zug schon einfacher ist. Theoretisch wartet jemand vom Rollstuhlservice mit einem Rollstuhllift oder einer Rampe auf dem Bahnsteig, und in ein paar Minuten ist es vorbei. Auch wenn die Person vom Rollstuhlservice die anderen Fahrgäste, die mehr oder weniger verständnisvoll sind, meistens bitten muss, eine andere Tür zum Aussteigen zu benutzen oder einfach ein paar Minuten zu warten. Da merkt man dann, dass Geduld nicht jedermanns Stärke ist…
Wenn man mit dem Flugzeug anreist, sieht es oft anders aus, denn man muss warten, bis alle anderen Passagiere das Flugzeug verlassen haben. Wenn es um Geduld geht, wird man zu einem echten Experten, wenn man im Rollstuhl reist.
Während man wartet, hofft man, dass es kein Kommunikationsproblem gab, dass der Rollstuhlservice angewiesen wurde, den persönlichen Rollstuhl abzuholen, und dass der Flugbegleiter nicht zu Dir sagen wird, wenn Du aussteigen und sehen wirst, dass Dein Rollstuhl nicht da ist:
„Ah, das hätten Sie mir aber sagen müssen…“
Als ob er nicht gesehen hätte, wie ich in das Flugzeug eingestiegen bin… Oft ist Ende gut, alles gut: Der Rollstuhl ist da und man muss sich nur noch zum Ausgang begeben, über den Gang oder mit dem Kleinbus des Assistenzdienstes.
Auf einigen Flughäfen, vor allem in Paris CDG, scheint es jedoch systematisch unmöglich zu sein, den Rollstuhl beim Verlassen des Flugzeugs wiederzufinden. Ein Rätsel, das bis heute ungelöst ist… Unter den Flughäfen, die ich erlebt habe, seit ich im Rollstuhl sitze, ist Paris CDG wahrscheinlich der schlimmste (insbesondere Terminal 1). Es scheint jedoch, dass er zu den besten Flughäfen der Welt gezählt wird. Offensichtlich wird in den Rankings der Zugänglichkeit keine große Bedeutung beigemessen… Jedes Mal, wenn ich dort ankomme, gibt es ein Problem: kein Rollstuhl an der Gepäckausgabe (den ich nach 45 Minuten Wartezeit endlich gefunden habe), ein kaputtes Förderband, ein kaputter Aufzug, usw.
Vor ein paar Monaten kam ich von Wien aus in Paris CDG an. Die Assistenzperson hat mich ganz entspannt zum Ausgang geführt, nur um dann am Förderband festzustellen, dass es nicht funktioniert. Also mussten wir einen anderen Weg nehmen, einen geheimen Weg. Wir gingen wieder zur Sicherheitskontrolle. Ja, denn schließlich macht es so viel Spaß, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, dass es schade wäre, es zu verpassen… An diesem Tag dauerte es nicht weniger als 1h30, drei Aufzüge und ein Förderband (das funktionierte), bis ich endlich meinen Rollstuhl abholen konnte…
Auch wenn es manchmal sehr turbulent zugeht, findet man am Ende immer den Weg nach draußen und hofft, dass der Rollstuhl nicht zu sehr beschädigt ist (denn auch das passiert leider). Unter diesem Aspekt und im Allgemeinen ist das Reisen mit dem Zug im Rollstuhl einfacher. Es gibt weniger unvorhergesehene Ereignisse, die weniger frustrierend sind als bei einer Flugreise. Selbst wenn es sie gibt, wie z. B. wenn der Nachtzug, mit dem man reisen wollte, plötzlich keine Rollstuhlabteile mehr hat und man Dir freundlich erklärt, dass es einem leid tut, aber dass Du den nächsten Zug in drei Tagen nehmen kannst… Das zeigt nur, dass man auf Reisen wirklich auf Unvorhergesehenes gefasst sein muss, vor allem, wenn man mit einem Rollstuhl reist.
Foto von Priscilla Du Preez 🇨🇦 auf Unsplash
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