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Living with a chronic disease

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Lernen, Prioritäten zu setzen

Posted on 14 March 202114 March 2021 by Clotilde

Die Woche geht zu Ende. Ich nehme mir einen Moment Zeit, um zur Ruhe zu kommen, die Woche Revue passieren zu lassen, zu notieren, wie es läuft und zu schauen, was ich mir vorgenommen hatte, was ich getan oder nicht getan habe, was ich gerne getan hätte. In den Phasen, in denen es mir nicht so gut geht, gibt es oft eine Menge Dinge, die ich gerne gemacht hätte, aber nicht gemacht habe. Das ist ziemlich frustrierend, zumal ich eher der Typ bin, der viele Dinge tun möchte. Zu Beginn meiner Krankheit habe ich jedoch immer lange To-Do-Listen geplant, ohne zu wissen, warum ich diese Dinge tun wollte. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass es bei einer chronischen Krankheit wichtig ist, Prioritäten zu setzen. Es erlaubt Dir, bewusst zu wählen, wie Du die wenige Energie, die Dir zur Verfügung steht, einsetzen kannst.


Das Gezwungene von Gewählten unterscheiden

Die Prioritäten in unserem Leben sind sowohl erzwungen als auch gewählt.

1. Was erzwungen ist

Die Außenwelt schreibt uns ständig Prioritäten vor: Abgabetermine in der Schule oder Universität, berufliche Verpflichtungen, administrative Formalitäten, usw. Es gibt auch Dinge, die durch die Krankheit diktiert werden: Arzttermine, andere bürokratische Tätigkeiten, Krankenhausaufenthalte, usw. All diese zusätzlichen Zwänge sind oft zahlreich und ermüdend. Die Liste kann schnell lang werden.

Natürlich entscheidest Du am Ende auch, ob du Dir etwas auferlegen möchtest. Du könnest Dir sehr wohl sagen, dass Du aufgibst und nichts tust. Aber das ist nicht unbedingt eine sehr praktikable Lösung, wenn Du studieren, arbeiten, Dich um eine schon etwas angeschlagene Gesundheit kümmern willst, usw.

Innerhalb der auferlegten Zwänge ist es meiner Meinung nach wichtig, darüber nachzudenken, ob:

  • Du wirklich alles machen musst?
  • Jemand Dir bei bestimmten Aufgaben weiterhelfen könnte?
  • Du es Dir auf die eine oder andere Weise leichter machen kannst? Beispielsweise, indem Du Dir den Lebensmitteleinkauf liefern lässt, statt ihn selbst zu erledigen (ja, ja, das ist ein persönlicher Standpunkt, aber für mich ist der Lebensmitteleinkauf eher ein Zwang als eine Wahl).
2. Was gewählt wird

Du solltest jedoch nicht vergessen, Deine Prioritäten zu wählen. Niemand sonst wird das für Dich tun. Sonst wird wieder nicht wirklich gewählt, sondern abermals aufgezwungen, sogar unter dem Deckmantel guter Absichten. Wenn Du nur erzwungene Aufgaben ausführst, entsteht ein Gefühl der Sättigung. Denn dann hast Du nie wirklich das Gefühl hast, selbstbestimmt zu handeln – Du bist ständig im “Ich muss”, und nie im “Ich will”.


Deine Prioritäten wählen

Es ist eine Sache, Prioritäten setzen zu wollen und eine andere, es tatsächlich zu tun. Wenn man eine chronische Krankheit hat, muss man die Tatsache berücksichtigen, dass man insgesamt wenig Energie zur Verfügung hat, mehr oder weniger je nachdem, in welcher Phase man sich befindet.

Bei der Wahl meiner Prioritäten stelle ich mir deshalb folgende Fragen:

  • Was sind meine Ziele? Was möchte ich nicht bereuen? Was würde ich vermissen, wenn ich es nicht täte?
  • Was ist mir im Moment wirklich wichtig? Warum? Wie dient es meinen Zielen? Wird es in einem Jahr, fünf oder zehn Jahren noch wichtig sein? Wenn nicht, ist es das wert, es zu tun?
  • Wie viel Energie habe ich im Moment zur Verfügung?
  • Ist es im Moment eine Priorität oder etwas, das ich gerne tun würde. Oder kann es zu einer Priorität werden, wenn ich mich besser fühle?

Sobald ich entschieden habe, was in diesem Moment wichtig ist, kann ich meine Prioritäten nach meinem Erschöpfungsgrad ordnen.


Prioritäten ordnen

Sobald ich meine Prioritäten kenne, kann ich sie in die Reihenfolge ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit bringen. Persönlich verwende ich Evernote, um mich zu organisieren. Ich finde es sehr praktisch mit einem System von Notizbüchern und Etiketten, um Notizen zu klassifizieren. Ich achte darauf, dass ich nicht zu viele Dinge auf meine To-Do-Liste setze, da ich sonst sicher bin, dass ich es nicht schaffen werde. Ich weiß, dass es mich ärgern wird.

Deine Prioritäten zu ordnen bedeutet auch, Dir zu überlegen, was Du an einem schlechten Tag zuerst auslassen wirst. Wenn ich morgens aufwache und merke, dass es aufgrund meines körperlichen Zustands ein schwierigerer Tag werden wird, passe ich meine Prioritäten für den Tag an. Ich ändere meine To-Do-Liste. Aber ich versuche immer, zumindest eine Sache während des Tages zu erledigen, auch wenn es mir nicht so gut geht. Damit vermeide ich das Gefühl, den Tag verloren zu haben.


Die Wahl greift also mehrfach ein, wenn Du Deine Prioritäten setzt: indem Du Dich entscheidest, das zu tun, was Dir auferlegt wird. Indem Du Deine persönlichen Prioritäten wählst und sie in eine Rangfolge bringst. Die Entscheidung, die eigene Gesundheit zu einer Priorität zu machen, wenn man eine chronische Krankheit hat, kann auch zu einer Wahl werden, selbst wenn sie einem ursprünglich auferlegt wurde. Ich denke, es ist Teil des Weges der Akzeptanz einer Krankheit, sich dafür zu entscheiden, sich um sich selbst zu kümmern und dies zu einer Priorität zu machen.


Picture by Emma Matthews Digital Content Production on Unsplash

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Über mich

Hallo! Ich bin Clotilde Aubet. Ich bin Französin, lebe in Österreich und arbeite als Senior HR-Führungskraft. Seit über fünfzehn Jahren lebe ich mit einer chronischen und beeinträchtigenden Erkrankung und nutze im Alltag einen Rollstuhl.
In diesem Blog schreibe ich über das Leben und Arbeiten mit Behinderung, über Inklusion und Barrierefreiheit am Arbeitsplatz sowie über barrierefreies Reisen.

Für mehr Information siehe diese Seite.

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