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Living with a chronic disease

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Wenn „Ich bin müde“ nicht mehr ausreicht: Metaphern für Müdigkeit bei einer chronischen Krankheit.

Posted on 23 March 202523 March 2025 by Clotilde

Wie spricht man über diese unsichtbare Müdigkeit, die man nicht sieht, die aber alles beeinflusst? Zwischen Löffel-Theorie und Akku-Metapher helfen Vergleiche, verständlich zu machen, was Worte allein oft nicht ausdrücken können.


⚡ Eine Müdigkeit, die weit über Worte hinausgeht

Vor ein paar Wochen haben mich verstärkte Symptome wieder an eine altbekannte Realität erinnert: Mit einer chronischen Krankheit zu leben bedeutet, ständig mit einer schwankenden Energie zurechtzukommen. Man muss immer wieder ein Gleichgewicht finden zwischen den täglichen Aktivitäten und den – positiven wie negativen – Auswirkungen der Behandlungen.

Mein Energielevel, aber auch die Energiemenge, die dieselbe Aktivität kostet, kann von Tag zu Tag stark variieren: Zum Beispiel ist Haare bürsten normalerweise eine ganz banale Tätigkeit. Aber an manchen Tagen muss ich mehrere Pausen machen oder die Bürste mit beiden Händen halten, um es zu schaffen. Ein einfaches „Ich bin müde“ sagt alles und nichts zugleich, denn es beschreibt überhaupt nicht die Realität dessen, was ich erlebe. Wie ich durch meine Krankheit gelernt habe, ist Müdigkeit letztlich ein sehr persönliches Gefühl.


🥄 Die Löffel-Theorie: Energie im Alltag zählen

Da ein „Ich bin müde“ oft nicht mehr ausreicht, um das, was man empfindet, zu beschreiben, sind mehrere Metaphern entstanden, um den Umgang mit Energie im Alltag besser erklären zu können.

Eine der bekanntesten ist die „Löffel-Theorie“ (Spoon Theory), entwickelt von Christine Miserandino. Sie wird in der Community von Menschen mit chronischen Erkrankungen weit verbreitet verwendet.

Die Idee ist einfach: Man beginnt jeden Tag mit einer begrenzten Anzahl an Löffeln, und jede Aktivität – sich anziehen, Frühstück machen, sich fortbewegen – kostet einen oder mehrere Löffel. Wenn man keine Löffel mehr hat, hat man keine Energie mehr für den Rest des Tages. Pech gehabt…

Es ist eine konkrete und wirkungsvolle Art, anderen die eigenen Grenzen zu erklären. Aber für mich war sie immer ein wenig zu starr. Energie besteht für mich nicht nur daraus, eine feste Zahl von Löffeln zu zählen; sie schwankt, leert sich in unterschiedlichem Tempo und kann manchmal schneller verschwinden als erwartet.


🔋 Die Akku-Theorie: eine flexiblere Metapher

Deshalb erkenne ich mich eher in der „Akku-Theorie“ wieder. Jeder kennt den Ausdruck „Ich fühle mich total leer“, um Erschöpfung zu beschreiben. Diese Metapher macht die Situation auch für Menschen ohne chronische Erkrankung leichter verständlich.

Idealerweise würde ich den Tag mit einem vollgeladenen Akku beginnen – sagen wir, bei 95 oder 100 %. Aber in Wirklichkeit passiert das fast nie. An manchen Morgen wache ich mit 70 % auf, an anderen mit 50 %, und an besonders schwierigen Tagen fängt mein Akku nur bei 30 % an. Und genau wie bei einem Laptop oder Handy entlädt sich der Akku umso schneller, je leerer er ist.

Eine so einfache Tätigkeit wie Haare bürsten kann mich an einem Tag mit 70 % Startenergie 2 bis 3 % kosten, aber 10 % oder mehr, wenn ich bei 30 % bin.


🧭 Den Alltag anpassen, um Energie zu sparen

Mit der Zeit habe ich gelernt, mich an all die Aktivitäten anzupassen, die mehr Energie kosten:

  • Pausen machen, wenn es nötig ist
  • Einen Rollstuhl benutzen, um längere Strecken zu vermeiden
  • Akzeptieren, dass man manches auf später verschieben kann

Alles in allem sind es kleine Anpassungen, die helfen, Energie zu sparen – wie die Bildschirmhelligkeit zu reduzieren, damit der Akku länger hält.

Manchmal, wie bei einem Handy oder Laptop mit fast leerem Akku, bleibt einem nichts anderes übrig, als in den „Schlafmodus“ zu gehen – wenn der Energielevel nahe bei 0 % ist. Zum Glück sind diese Momente selten: Schon ein bisschen Energie zurückzugewinnen ist viel schwieriger, wenn der Akku komplett leer ist.



Mit der Zeit habe ich auch gelernt, meinen Energieverbrauch besser einzuschätzen und zu kalkulieren, wie viel jede Aktivität kostet – je nach meinem allgemeinen körperlichen Zustand. Aber selbst nach fast 15 Jahren überrascht mich mein Körper immer noch…Ob man sich eher in der Löffel-Theorie oder der Akku-Theorie wiederfindet – das Ergebnis ist dasselbe:  Wenn die Energie aufgebraucht ist, ist sie wirklich aufgebraucht. Ruhe – und natürlich Behandlungen – können helfen. Aber manchmal braucht es eine Menge Geduld, bis ein komplett leerer Akku sich wieder auflädt – vielleicht eines Tages – auf wenigstens 70 %…

👉 Und du? Hast du schon einmal eine Metapher verwendet, um deine Müdigkeit oder dein Energielevel zu erklären? Welche spricht dich am meisten an?


Foto von Alexander Andrews auf Unsplash

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Über mich

Hallo! Ich bin Clotilde Aubet. Ich bin Französin, lebe in Österreich und arbeite als Senior HR-Führungskraft. Seit über fünfzehn Jahren lebe ich mit einer chronischen und beeinträchtigenden Erkrankung und nutze im Alltag einen Rollstuhl.
In diesem Blog schreibe ich über das Leben und Arbeiten mit Behinderung, über Inklusion und Barrierefreiheit am Arbeitsplatz sowie über barrierefreies Reisen.

Für mehr Information siehe diese Seite.

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