Nach zwei gescheiterten Versuchen, in den letzten Jahren mit dem Nachtzug nach Paris zu reisen, war ich etwas zögerlich, eine weitere Nachtzugreise zu buchen – dieses Mal nach Hamburg. Aber alles verlief reibungslos. Tatsächlich hatten wir das Glück, in einem der brandneuen ÖBB Nightjet-Züge zu fahren: modern, komfortabel und durchdacht gestaltet.
Hamburg erwies sich als eine wirklich barrierefreie Stadt. Mit nur wenigen kleinen Ausnahmen sind die Gehwege breit und eben. Es gibt sehr wenig Kopfsteinpflaster, selbst im Stadtzentrum. Die meisten öffentlichen Verkehrsmittel sind vollständig barrierefrei. Die größte Herausforderung – obwohl durchaus machbar – stellten die vielen Baustellen dar, auf die wir bei unserem Besuch stießen und die gelegentlich die Gehwege blockieren können.
Es überrascht nicht, dass Hamburg eine Stadt ist, in der man viele andere Rollstuhlfahrende unterwegs sieht, was immer ein gutes Zeichen für echte Barrierefreiheit ist. Und das ist umso besser, als Hamburg selbst mit seinen Kanälen, Seen und roten Backsteingebäuden wirklich ein Besuch wert ist.
Tag 1: Ankunft, Rathaus & Alster
Nach einer leicht verspäteten Ankunft am Hamburger Hauptbahnhof gehen wir zu unserer Unterkunft, die nicht vollständig barrierefrei, aber für mich dennoch machbar ist.
Nach einer kurzen Pause beginnen wir unseren Besuch mit einer Führung durch das Hamburger Rathaus. Die Tickets können in der Eingangshalle im Erdgeschoss gekauft werden, während die Führung im ersten Stock stattfindet, der mit einem Aufzug erreichbar ist. Rollstuhlfahrer*innen erhalten einen ermäßigten Eintrittspreis, und eine Begleitperson hat freien Eintritt.
Anschließend erkunden wir die umliegenden Straßen und machen Halt für eine glutenfreie Zimtschnecke bei Isabella Glutenfrei, einer auf glutenfreie Produkte spezialisierten Bäckereikette mit Standorten in ganz Deutschland.
Wir essen in den Colonnaden zu Abend, einer charmanten Fußgängerzone mit mehreren Restaurants im Freien, und beenden den Tag mit einem friedlichen Spaziergang um die Alster, bei dem wir die ruhige Aussicht und das sanfte Abendlicht genießen.

Tag 2: Fischmarkt, Neustadt, St. Nikolai & das Musical „Der König der Löwen“
Unser Tag beginnt früh mit einem Ausflug zum Fischmarkt. Wir nehmen ein Taxi, um dorthin zu gelangen, da dies zu dieser Tageszeit am einfachsten und schnellsten ist. Der Markt ist trotz der frühen Stunde bereits lebhaft, aber auch ziemlich voll und wegen des Kopfsteinpflasters holprig – nicht das einfachste Terrain für Rollstuhlfahrer*innen. Dennoch ist es lustig zu sehen, wie die Leute um 8:00 Uhr morgens bei Live-Musik im Hintergrund bereits ein Bier genießen.
Anschließend kehren wir mit der Fähre ins Stadtzentrum zurück, eine originelle und barrierefreie Möglichkeit, Hamburg vom Wasser aus zu sehen. Die öffentlichen Fähren sind im Allgemeinen gut für Rollstuhlfahrer*innen ausgestattet und leicht zu betreten.
Als Nächstes steht ein Spaziergang durch die Neustadt und ein Besuch der St. Nikolai-Kirche an, einer ehemaligen Kirche, deren Turm heute als Mahnmal dient. Die Kirche selbst wurde bei den Bombenangriffen auf Hamburg 1943 fast vollständig zerstört, aber der Turm steht noch. Ein Aufzug bringt Dir nach oben, wo Du für diese außergewöhnliche Anstrengung mit einem 360°-Panoramablick über Hamburg belohnt werden – ein ziemlich spektakulärer Anblick. Danach verbringen wir einige Zeit in dem kleinen Museum nahe dem Kircheneingang, das einen detaillierten Bericht über die durch die Bombenangriffe verursachten Zerstörungen bietet.
Wir erkunden weiter die Neustadt und die Brandgasse und genießen die Vielfalt der Architekturstile und die entspannte Atmosphäre.
Nach einer Pause in der Wohnung machen wir uns wieder auf den Weg zum Höhepunkt des Abends: dem Musical „Der König der Löwen“. Wir gehen zur Anlegestelle und durchqueren dabei St. Pauli und das Portugiesenviertel, die beide am frühen Abend sehr belebt sind. Von den Landungsbrücken bringen Dich spezielle Fähren direkt über die Elbe zum Theater – was die Fahrt sehr einfach macht.
Die Show selbst ist spektakulär und hält sich sehr eng an die ursprüngliche Disney-Geschichte. Die rollstuhlgerechten Plätze sind ziemlich nah an der Bühne, was das Erlebnis noch immersiver macht.
Tag 3: Blankenese, Elbe & Michaeliskirche
Am Morgen nehmen wir die S-Bahn nach Blankenese, einem ehemaligen Fischerdorf, das zu einem gehobenen Vorort geworden ist. Die Gegend ist berühmt für ihre vielen Treppen, aber es gibt eine barrierefreie Straße, die malerische Ausblicke ohne Stufen bietet. Ein Spaziergang entlang der Elbe auf einem rollstuhlgerechten Weg sorgt für eine willkommene Dosis Natur, mit einem beeindruckenden Blick auf das riesige Airbus-Werk am gegenüberliegenden Ufer.
Später kehren wir in die Stadt zurück, um die Michaeliskirche, eines der bekanntesten Wahrzeichen Hamburgs, zu besichtigen. Die Kirche ist rollstuhlgerecht, und ihr Inneres mit blauen, weißen und goldenen Details ist absolut sehenswert.
Tag 4: Mönckebergstraße & Museen
Nach einem morgendlichen Spaziergang entlang der Mönckebergstraße und einem kleinen Einkaufsbummel beginnen wir unsere Kulturtour in der Hamburger Kunsthalle, die eine reiche Sammlung von mittelalterlichen Altarbildern bis hin zu zeitgenössischen Werken beherbergt. Das Museum ist barrierefrei, obwohl die Navigation mit den Aufzügen ein kleines Labyrinth ist. Aber wenn man es einmal herausgefunden hat, funktioniert es gut.
Unser nächster Halt ist das Museum für Kunst und Gewerbe, das sich auf angewandte Kunst und Design konzentriert. Die Barrierefreiheit ist wieder gut, und die Ausstellungen sind vielfältig und ansprechend. Mein Highlight: ein wunderschön gestaltetes japanisches Teehaus.
Tag 5: Speicherstadt, HafenCity & Miniatur Wunderland
Nach einem entspannten Vormittag und einem schnellen Mittagessen bei Edel Curry Wurst, um die berühmte Currywurst zu probieren, machen wir uns auf den Weg, um die HafenCity, Hamburgs neuesten Stadtteil am Wasser, zu erkunden. Die Gegend ist modern und durchdacht gestaltet, mit breiten Gehwegen, die für Rollstuhlfahrer*innen besonders angenehm und zugänglich sind.
Wir gehen dann in der benachbarten Speicherstadt, dem historischen Lagerhausviertel. Obwohl einige der Straßen gepflastert und etwas uneben sind, ist die Gegend mit etwas mehr Anstrengung im Rollstuhl noch gut zu bewältigen. Die markanten roten Backsteingebäude und das Netz von Kanälen machen den Abstecher mehr als lohnenswert.
Wir beenden den Tag im berühmten Miniatur Wunderland, einer aufwendigen Miniaturwelt mit detaillierten Darstellungen von Modelleisenbahnen, Landschaften und Szenen aus verschiedenen Ländern. Obwohl einige Exponate etwas zu hoch angebracht sind – was es schwieriger macht, jedes Detail aus sitzender Position zu erfassen – ist das Museum insgesamt gut zugänglich, mit einem Aufzug und genügend Platz zum Navigieren. Es ist eine fesselnde, unterhaltsame und weitgehend inklusive Attraktion für Besucher*innen jeden Alters.

Tag 6: Maritimes Museum & Elbphilharmonie
Wir beginnen den Tag mit einem Besuch im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, das sich über zehn Etagen erstreckt. Die Sammlung ist umfangreich und deckt alle Arten der Seefahrt – kommerziell, Freizeit und militärisch – über verschiedene Epochen ab. Das Museum ist mit Halbebenen angelegt, die von beiden Seiten des Gebäudes über Aufzüge erreichbar sind. Diese Anordnung mit den Aufzügen führt jedoch dazu, dass man die Ausstellung etwas durcheinander erkundet, wenn man die Aufzüge wirklich benutzen muss.
Nach einem erholsamen Nachmittag besuchen wir ein Konzert in der Elbphilharmonie. Dieses markante Gebäude, das auf einem ehemaligen Lagerhaus errichtet wurde, ist vollständig barrierefrei und sehr modern. Die Rollstuhlplätze sind zahlreich und sehr gut gelegen und bieten eine großartige Aussicht. Die akustische Qualität ist herausragend und macht das Erlebnis absolut faszinierend.

Tag 7: Tagesausflug nach Lübeck
Für unseren letzten Urlaubstag nehmen wir einen Zug von Hamburg nach Lübeck. Nach knapp einer Stunde kommen wir in Lübeck an und werden von Regen begrüßt. Glücklicherweise hält er nicht lange an, und wir können bald durch die Altstadt schlendern und die prächtige gotische St. Marienkirche besichtigen, bevor wir weiter in Richtung Fluss gehen.
Nach einem köstlichen Mittagessen im Meersalz Lübeck schlendern wir weiter durch die malerischen Gassen, die von duftenden Rosensträuchern gesäumt sind, typisch für den Monat Juni.
Am Nachmittag kehren wir mit dem Zug nach Hamburg zurück.
Fazit: Hamburg im Rollstuhl – Lohnt es sich?
Wie ich gehofft hatte, ist Hamburg für Rollstuhlfahrer wirklich barrierefrei. Tatsächlich glaube ich, dass ich mit einer vollständig barrierefreien Unterkunft diese Reise auch alleine hätte machen können – was in vielen Städten immer noch unmöglich, bzw. sehr schwierig, ist.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ein echtes Highlight: sauber, häufig und meist gut ausgestattet. Das Stadtzentrum hat viele Fußgängerzonen mit breiter Pflasterung und sehr wenig Kopfsteinpflaster, was einen riesigen Unterschied macht. Alle Museen und Attraktionen, die wir besuchten, waren ebenfalls vollständig barrierefrei, mit Aufzügen und Rampen.
Und wie immer ist einer der besten Indikatoren für die Barrierefreiheit einer Stadt, wie viele andere Rollstuhlfahrer*innen man unterwegs sieht – und in Hamburg haben wir ziemlich viele gesehen.
Würde ich Hamburg anderen Rollstuhlfahrer*innen empfehlen? Absolut, mit ein wenig Planung, wie immer, wenn man mit einem Rollstuhl reist. Und vielleicht mit einer extra Zimtschnecke von Isabella, um unterwegs bei Kräften zu bleiben.
| Ort | Barrierefreiheit | Details |
| Rathaus | 🟢 Gut | Über Aufzug erreichbar; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende, freier Eintritt für Begleitperson. |
| Mahnmal und Museum St. Nikolai | 🟢 Gut | Aufzug zum Turm, barrierefreies Museum; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende und freier Eintritt für Begleitperson. |
| Michaeliskirche | 🟢 Gut | Barrierefreier Eingang an der Seite. |
| Hamburger Kunsthalle | 🟢 Gut | Vollständig barrierefrei; Aufzugsanordnung etwas komplex; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende und freier Eintritt für Begleitperson. |
| Museum für Kunst und Gewerbe | 🟢 Gut | Vollständig barrierefrei; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende und freier Eintritt für Begleitperson. |
| Miniatur Wunderland | 🟢 Gut | Insgesamt barrierefrei, einige Exponate etwas zu hoch; ermäßigte Tickets für Rollstuhlfahrer und Begleitperson. |
| Internationales Maritimes Museum Hamburg | 🟢 Gut | Barrierefrei; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende und freier Eintritt für Begleitperson. |
| Musical “Der König der Löwen” (Stage Theater) | 🟢 Gut | Barrierefreie Fähre und Theatereingang; ermäßigte Tickets für Rollstuhlfahrende und Begleitperson. |
| Elbphilharmonie | 🟢 Gut | Mit Aufzügen erreichbar; ermäßigter Eintritt für Rollstuhlfahrende & freier Eintritt für Begleitperson. |
| Fischmarkt | 🔴 Schlecht | Kopfsteinpflaster und Gedränge: schwer im Rollstuhl zu navigieren. |
| Promenade Blankenese (über Straße) | 🟡 Mittel | Über Straße erreichbar, aber stellenweise steil. |
| Spazierweg an der Elbe | 🟢 Gut | Breite Wege, meist eben und leicht zu befahren. |
| Alstersee (Weg am Seeufer) | 🟢 Gut | Größtenteils flach und rollstuhlfreundlich. |
| HafenCity | 🟢 Gut | Moderne Infrastruktur; eben und flach. |
| Speicherstadt | 🟡 Mittel | Etwas Kopfsteinpflaster, aber machbar. |
| Hamburg Hauptbahnhof | 🟢 Gut | Aufzüge vorhanden. |
| Öffentliche Verkehrsmittel (inkl. Fähren) | 🟢 Gut | Vollständig barrierefrei (bis auf wenige Stationen). |
Fotos von der Autorin.
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