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Living with a chronic disease

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Die benötigte Hilfe akzeptieren

Posted on 22 January 202128 February 2021 by Clotilde

Körperlich fit, gut in der Schule. Das war ich. Vor der Krankheit. Es war eine Zeit, in der ich selten um Hilfe gebeten habe, sondern sie eher gegeben habe: jemandem etwas erklären, das er nicht verstanden hatte, einer alten Dame beim Einsteigen in die Straßenbahn helfen oder ihr meinen Sitzplatz in der U-Bahn geben, auf meine Cousins aufpassen, etc. Ich gab Hilfe, aber ich empfing sie nicht. Natürlich habe ich manchmal auch andere um Hilfe gebeten. Aber nur gelegentlich.

Gerade bei einer chronischen Erkrankung braucht man auch für einfache Dinge Hilfe, vor allem, wenn es einem nicht gut geht. Über Nacht war ich auf Hilfe angewiesen, um meine Sachen zu tragen, meinen Mantel anzuziehen, einkaufen zu gehen, und so weiter. Zu akzeptieren, dass ich Hilfe brauchte, war ein langer und nicht immer einfacher Prozess, der in drei Schritten ablief.

 

1. Erkennen, dass man Hilfe braucht

Um Hilfe zu bitten, muss man zunächst anerkennen, dass man sie braucht. Es ist ein erster Schritt, nicht unbedingt ein angenehmer, aber ein erforderlicher. Die notwendige Hilfe tatsächlich zu akzeptieren nötigt einen dazu, sich abermals der Krankheit und ihrer Realität zu stellen. Zu Beginn meiner Krankheit dachte ich stets in nun schwierigen Situationen, in denen ich nun fremde Hilfe benötigte: “Oh ja, ich kann es wirklich nicht mehr machen. Und nur, weil ich krank bin. Echt nicht toll!” Hilfe zu brauchen erinnerte mich ständig an all das, was nicht mehr möglich war. Und das war schwer.

Allerdings ging es mir in den frühen Jahren meiner Krankheit nicht gut. Dann nicht um Hilfe zu bitten hätte bedeutet, die ganze Zeit zu Hause zu bleiben, nicht zur Schule gehen zu können, ständig schmutzige Haare zu haben – was, das ist wahr, weniger peinlich ist, wenn man sowieso nicht aus dem Haus gehen kann….

Es ist eine Sache, Hilfe zu brauchen. Es ist eine andere, diese neue Position, in der man sich befindet, zu akzeptieren. Akzeptieren, Hilfe zu erhalten und nicht mehr Hilfe zu geben (oder zumindest viel weniger oder nicht mehr auf die gleiche Weise wie vorher). Anzuerkennen, dass ich Hilfe brauche, war eine Demutslektion, denn ich musste akzeptieren, dass ich es ohne andere nicht schaffen konnte, wo ich vorher völlig unabhängig war. Am Anfang war das nicht unbedingt einfach, auch nicht unbedingt erfreulich. Aber ich merkte bald, dass es die einzige Lösung war, wenn ich weiterhin Dinge tun wollte, die mir vorher trivial erschienen.

Heute bin ich, verglichen mit den ersten Jahren meiner Krankheit, fast völlig unabhängig. Aber da ich gelernt habe, zu erkennen, wann ich Hilfe brauche, zögere ich in den richtigen Situationen nicht mehr.

2. Gezielt um Hilfe bitten

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, um Hilfe zu bitten und dabei bestimmte Bedürfnisse zu äußern. Jemandem zu sagen “Ich brauche Hilfe”, ohne nähere Angaben, wird ihn in eine unangenehme Situation bringen, weil er nicht weiß, wie er das machen soll. Ich habe verstanden, dass ich klar formulieren und erkennbar machen muss, was ich brauche: ein Präsenz, eine Packung Kekse, mich im Bett hinzulegen, zum Unterricht zu gehen usw.

So formuliere ich meine Bitte um Hilfe nun deutlich: „Kannst Du mir bitte ein Glas Wasser bringen?“, “Kannst Du mir bitte mit dem Einkaufen helfen? ” oder “Bitte zeichne mir ein Schaf. »

Ich muss zugeben: von den ersten beiden Dingen verlange ich viel mehr als von den letzten. Auch wenn ich versuche, die Seele eines Kleinen Prinzen zu behalten, gehört es nicht zu meinen Grundbedürfnissen, ein Schaf zu haben.

Dennoch sind diese Anfragen nach Hilfe klar, präzise und quantifizierbar. Die Person, die ich um Hilfe bitte, kann einschätzen, ob sie die Ressourcen und die Zeit dafür hat und fühlt sich somit nicht durch eine vage oder zu allgemeine Bitte überfordert.

3. Nicht zögern, um Hilfe zu bitten

Das ist eine weitere Lektion, die ich nur langsam gelernt habe. Ich hatte immer Angst, mich zu blamieren oder andere zu belästigen, wenn ich um Hilfe bat. Ich stelle mir vor, dass sie Besseres zu tun oder keine Zeit hätten. Aber tatsächlich habe ich erkannt, dass man sich nicht scheuen sollte, um Hilfe zu bitten, weil andere nie oder fast nie ablehnen. Wenn man einfach bittet und anderen die Freiheit lässt, anzunehmen, dann steht es ihnen auch frei, einfach abzulehnen. Und dann kann man ganz einfach eine andere Person fragen. Wenn die Bitte um Hilfe klar ist, glaube ich, dass viele Menschen im Großen und Ganzen froh sind, wenn sie sich nützlich machen dürfen: Sie fühlen sich nützlich, und sie sind nützlich in der Hilfe, die sie mir bringen. Am Ende ist es eine Win-Win-Situation. Was ich jedoch für wichtig halte, ist, nicht zu oft dieselbe Person zu fragen und die Menge der Hilfe, die man von jeder Person erbittet, auszubalancieren. Damit vermeidet man eine Ermüdung oder ein ungesundes Gefühl der Verpflichtung.

Es ist also eine Kunst zu lernen, wie man die benötigte Hilfe bekommt – egal in welcher Situation, aber besonders bei einer chronischen Krankheit, wo die Bedürfnisse größer sein können oder sich mit den Symptomen und Zyklen der Krankheit ändern. Man sollte sich stets daran erinnern, dass es keine Schande ist, um Hilfe zu bitten. Im Endeffekt ist es ganz einfach. Und wenn es einem nicht gut geht, kann man mit Hilfe so viel mehr tun als alleine. Es wäre schade, darauf zu verzichten!

Picture by youssef naddam on Unsplash

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Über mich

Hallo! Ich bin Clotilde Aubet. Ich bin Französin, lebe in Österreich und arbeite als Senior HR-Führungskraft. Seit über fünfzehn Jahren lebe ich mit einer chronischen und beeinträchtigenden Erkrankung und nutze im Alltag einen Rollstuhl.
In diesem Blog schreibe ich über das Leben und Arbeiten mit Behinderung, über Inklusion und Barrierefreiheit am Arbeitsplatz sowie über barrierefreies Reisen.

Für mehr Information siehe diese Seite.

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